Forschung

Die Basler Iberoromanistik ist in ihrer Forschung kulturhistorisch und sprachübergreifend ausgerichtet. Zwischen den LiteraturwissenschaftlerInnen und den LinguistInnen am Seminar für Iberoromanistik besteht eine wesentliche Zusammenarbeit, welche nicht nur auf dieser gemeinsamen Ausrichtung beruht, sondern sich auch aus zahlreichen thematischen Berührungspunkten ergibt. So ergänzen sich zum Beispiel die literaturwissenschaftliche und die linguistische Forschung in idealer Weise im Bereich der Kulturkontakte ebenso wie die Erforschung der spanisch- und portugiesischsprachigen Literatur der westlichen Sepharden im 17. und 18. Jh. und der sprachwissenschaftliche Forschungsschwerpunkt zum Judenspanisch der östlichen Sepharden im 19. und 20. Jh.

Literaturwissenschaft

Die Forschung der Iberoromanischen Literaturwissenschaft ist stark bezogen auf das theoretische Modell kultureller Analyse (Cultural Analysis), das heisst, sie anerkennt zwar das ständige Interesse für die primären Tätigkeiten wie die Textanalyse und die kritische Herangehensweise an den Text, stellt ihre Analyse aber in einem breiten kulturellen Kontext in den Vordergrund.
Deshalb ergänzt sie sich gut mit dem Leitbild der Forschung in der Fakultät, mit ihrem Schwerpunkt auf Kultur und der Betonung auf die Integration von Wissensfeldern.
Für die Iberoromanische Literaturwissenschaft bedeutet das, dass die Forschung der Iberoromanischen Literatur sich nicht beschränken soll auf traditionell studierte ´nationale´ (Spanische) oder´ästhetische´Kategorien, sondern dass sie vor allem in ihrem kulturellen (historischen, politischen, künstlerischen Kontext studiert und analysiert wird.
Die Iberoromanische (Iberische) Welt kennzeichnet sich seit langem als eine grenzüberschreitende, hybride Welt (man denke nur an die fünf Jahrhunderte muslimische Präsenz, und die Eroberung Amerikas) als eine Kultur des Kontakts und Mestizaje.
In der traditionellen Forschung Spaniens und Iberoamerikas hat der nationale (oft auch ´katholische´) Diskurs die Vielfalt der Iberischen Kultur nicht immer rechtgetan. Der schnelle Demokratisierungprozess seit dem Tod Francos und die immer spürbarere Globalisierung, fördern offene und vielseitige Interpretationen des iberischen Kulturraums.

Sprachwissenschaft

Die LinguistInnen am Institut für Iberoromanistik verstehen die Sprache als kulturelles und als soziales Phänomen. Daher interessieren uns beispielsweise die Auswirkungen von gesellschaftlichen Veränderungen oder von Kulturkontakten und -transfers auf die Sprache und auf die Textproduktion. Im Vordergrund steht nicht Sprache als abstraktes System sondern konkrete Sprachen – das Spanische in allen seinen Varianten sowie die anderen iberoromanischen Sprachen – in ihren Wechselbeziehungen und in ihrem kulturellen, sozialen, historischen und räumlichen Kontext.

Unsere Forschung ist vorwiegend empirisch, das heisst, wir arbeiten mit Korpora, Daten und Texten.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Einheit von Lehre und Forschung und der aktiven Nachwuchsförderung auf der Masterstufe. Bereits während des Studiums möchten wir bei den Studierenden das Interesse für die Forschung wecken und die Teamarbeit fördern, indem sie sich an Projekten, Publikationen und Konferenzen beteiligen können.

Die gegenwärtigen Forschungsschwerpunkte im Bereich Iberoromanische Linguistik sind:

  • Sprachgeschichte & Sprachkontakte
  • Judenspanisch (Judeoespañol, Ladino, Español sefardí)
  • Aljamiado / Schriftsysteme / Transkription
  • Textlinguistik und Pragmatik
  • Anthroponomastik